Warum will man allein im Auto schreien? Seltsame Laute und ein Selbstausdruck, der auftaut

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Kaum sitzt man allein im Auto, möchte man „Miau, miau“ oder „Awa-awa-awa“ sagen. Man ist gar nicht unbedingt wütend, und trotzdem meldet sich plötzlich eine tiefe, knurrige Zeichentrickstimme. Vielleicht geht es um die Erleichterung, allein zu sein, oder einfach um den Spaß, mit der eigenen Stimme zu spielen. Aus den hier vorgestellten Studien lässt sich allerdings nicht ableiten, dass hinter jedem solchen Laut derselbe Grund steckt.

Für das Gefühl, den ordentlich zurechtgelegten Auftritt für die Außenwelt ein wenig abzulegen, passt das Bild vom „Auftauen des Selbstausdrucks“. Das ist kein medizinischer Fachbegriff und keine Bezeichnung für einen nachgewiesenen Vorgang im Gehirn. Es ist ein versuchsweiser Name für dieses merkwürdige Erlebnis: Draußen war man noch ein erwachsener Mensch mit vollständigen Sätzen. Jetzt kommt ein „Miaaauu“ heraus.

Eines vorweg: Wer bewusst mit solchen Lauten experimentieren möchte, sollte zuerst an einem sicheren Ort parken, an dem das Parken erlaubt ist. Nicht während der Fahrt. Und auch ein geparktes Auto ist weder eine schalldichte Kabine noch ein guter Grund, die Kehle mit kräftigen Schreien zu belasten.

In „Ich möchte schreien“ können ganz verschiedene Gefühle stecken

Nicht jedes Geräusch im Auto erzählt dieselbe Geschichte. Ein paar Situationen zeigen den Unterschied:

  • Nach einem unfairen Gespräch möchte man „Aaaah!“ rufen.
  • Eine lange Erledigung ist geschafft, und man setzt mit „Tschan, tschan“ einen albernen Schlusspunkt. Das japanische „chan, chan“ bedeutet hier ungefähr: „Und damit ist die Geschichte zu Ende!“
  • Endlich verlangt niemand eine Antwort, und man hat Lust, „Miau“ zu machen.
  • Aus Langeweile wird „Awa-awa“ zum kleinen Rhythmusspiel mit dem Mund.
  • Man ist noch so vergnügt oder aufgekratzt, dass die gewöhnliche Sprechstimme gerade nicht recht passt.

Im ersten Beispiel spielt möglicherweise Wut mit. Alles andere ebenfalls „Wut ablassen“ zu nennen, würde aber an manchen Erlebnissen vorbeigehen. An der Lautstärke allein lässt sich nicht ablesen, was jemand empfindet.

Wer im Büro den ganzen Tag „Verstanden“ und „Ich prüfe das“ gesagt hat, verwandelt sich im Auto womöglich plötzlich in einen Hund oder eine Katze. Für das Gespräch bringt das nichts. Als Zeichen dafür, dass gerade niemand mehr die Qualität der eigenen Antwort beurteilt, ist es erstaunlich nachvollziehbar.

Klang statt Bedeutung. Tierlaut statt Erklärung. Auch diese paar Minuten müssen kein druckreifer Text werden. Vielleicht ist es weniger der Wunsch zu brüllen als die Lust, mit Klang herumzualbern.

Umgekehrt sollte man starke Wut nicht vorschnell zur harmlosen Spielerei erklären. Hilfreicher ist die kleine Unterscheidung: Möchte ich gerade Unsinn machen? Bin ich verärgert? Oder einfach erschöpft? Entscheidend ist das eigene Erleben, nicht ein Etikett, das von außen besonders plausibel klingt.

Das Auto kann eine mentale Umkleidekabine für eine Person sein

Zu Hause ist man Teil einer Familie oder eines Haushalts, bei der Arbeit für bestimmte Aufgaben zuständig. An beiden Orten kann jederzeit jemand etwas wollen. Der Raum dazwischen kann sich wie eine kurze Pause von diesen Rollen anfühlen.

Stegs Untersuchungen zur Autonutzung berücksichtigen neben praktischen auch symbolische und emotionale Motive. Sie helfen dabei, ein Auto nicht nur als Transportmittel zu betrachten. Sie untersuchen aber nicht, warum Menschen darin seltsame Laute machen. Aus der Bedeutung, die ein Auto haben kann, folgt noch keine Erklärung für das persönliche „Wau, wau“. Stegs Forschung zur Autonutzung

Im Wagen können mehrere Bedingungen zusammenkommen, die zum Spielen mit der Stimme einladen:

  • Man ist allein und muss sich keinem Gegenüber anpassen.
  • Man ist weder zu Hause noch im Büro, und bis zur nächsten Aufgabe bleibt ein kleiner Zwischenraum.
  • Musik, Selbstgespräche oder Stille lassen sich selbst wählen.
  • Türen und Fenster vermitteln ein Gefühl von Abstand zur Außenwelt.

Dafür passt das Bild einer „mentalen Umkleidekabine für eine Person“. Man zieht den Arbeitsmodus, den Familienmodus und den wohlgeordneten Auftritt aus. Was übrig bleibt, klingt aus unerfindlichen Gründen wie ein schlecht gelauntes Zeichentricktier.

„Ooohhn, miaaauu-tschuuu …“

Für diesen Satz gibt es im normalen Berufsalltag kaum Verwendung. Vielleicht ist genau das der Witz: Die Stimme darf einmal etwas tun, das keinen vernünftigen Zweck erfüllen muss. Nicht jede Lautäußerung braucht eine Aufgabenbeschreibung.

Die Umkleidekabine bleibt allerdings ein psychologisches Bild. Durch geschlossene Fenster können Geräusche nach draußen dringen. In Wohngebieten und auf Parkplätzen mit anderen Menschen muss man Lautstärke und Umgebung im Blick behalten. Sich abgeschirmt zu fühlen ist nicht dasselbe wie unhörbar zu sein.

Nicht jeder seltsame Laut braucht eine eigene psychologische Bedeutung

Menschliche Stimmen bestehen nicht nur aus Wörtern. Auch Lachen, Seufzen, Jubeln und Stöhnen können etwas von unserer Stimmung vermitteln.

In einer Untersuchung von Lima und Kollegen konnten Zuhörende aufgezeichnete nonverbale Lautäußerungen unterschiedlichen Gefühlen zuordnen. Dazu gehörten nicht nur negative Gefühle wie Wut und Trauer, sondern auch positive wie Freude oder Erleichterung. Das Ergebnis betrifft die Erkennung emotionaler Informationen in solchen Aufnahmen. Es entschlüsselt nicht automatisch die Bedeutung eines bestimmten Lauts im eigenen Auto. Studie zu nonverbalen Lautäußerungen

Was also bedeutet das persönliche „Awa-awa“? Das ist eine andere Frage.

„Tschan, tschan“ kann sich wie ein scherzhafter Schlussstrich anfühlen. „Miau, miau“ vielleicht wie entspanntes Albernsein, „Wau, wau“ eher wie ein energisches Spiel. Bei „Awa-awa“ sind womöglich die Mundbewegung und der Rhythmus interessant. An einem anderen Tag ist derselbe Laut bloß eine Gewohnheit, ohne tiefere Bedeutung.

Das sind mögliche Beschreibungen eines Gefühls, keine Übersetzungstabelle von Tierlauten in seelische Zustände. Ein Miauen muss kein Beweis für unterdrückte Wut sein. Und eine knurrige Stimme beweist nicht, dass irgendwo im Körper Druck abgelassen wird.

Anschaulich gesagt: Bevor der Kopf den Bericht geschrieben hat, hat der Mund schon mit dem Unterhaltungsprogramm angefangen. An manchen Tagen steckt etwas dahinter; an anderen macht das Geräusch einfach Spaß.

Es mag sich anfühlen, als würde man „den Körper lüften“. Auch das ist eine Metapher. Damit ist nicht belegt, dass Gefühle oder überschüssiger Druck tatsächlich durch die Kehle aus dem Körper entweichen. Ein angenehmes Gefühl und eine Erklärung des körperlichen Mechanismus sind zwei verschiedene Dinge.

„Miau“ kann eine Spielerei sein, die sich gegen niemanden richtet

Immer wieder über eine bestimmte Person zu schimpfen und sich mit einem absurden Tierlaut selbst zum Lachen zu bringen, sind unterschiedliche Erlebnisse. Auch wenn man in beiden Fällen noch ziemlich aufgedreht ist.

Ein möglicher Reiz des Miauens: Es fordert von niemandem eine Erklärung oder Rechtfertigung. Statt die Geschichte „Diese Person hat mir Unrecht getan“ weiterzuerzählen, verlässt man für einen Moment vielleicht die ganze Handlung. Jetzt sitzt dort eben eine Katze. Mit Autoschlüssel.

Mit dem ursprünglichen Bild gesprochen: „Aggression, die Katzenohren trägt.“ Das ist ein Witz, kein Studienergebnis. Katzenohren lassen Wut nicht nachweislich verschwinden. Wer von Anfang an nicht wütend war, spielt ohnehin vielleicht nur kurz allein die Katze.

Dass ein Laut niemanden persönlich angreift, macht ihn noch nicht in jeder Hinsicht harmlos. Ein Schrei kann Menschen in der Nähe erschrecken und die eigene Stimme belasten. Zur Rücksicht gehört deshalb auch die Frage, wie viel vom privaten Unterhaltungsprogramm draußen ankommt.

Ebenso wenig lässt sich die psychische oder körperliche Gesundheit daran ablesen, dass jemand nur allein Geräusche macht. Für die Frage, ob Unterstützung sinnvoll sein könnte, ist etwas anderes nützlicher: Ist es ein freiwilliges Spiel, das Freude macht? Oder möchte man aufhören, schafft es nicht und leidet darunter? Diese Unterscheidung verdient mehr Aufmerksamkeit als die Frage, ob der Laut gesellschaftlich seltsam wirkt.

Der Spaß an Tabuwörtern beweist nicht, dass Schreien entlastet

Manchmal meldet sich allein im Auto auch ein Wort, das eher auf einen Grundschulhof als in ein berufliches Gespräch gehört. Vielleicht ist nicht einmal seine Bedeutung das Lustige, sondern der Gedanke: „Ausgerechnet das sage ich jetzt?“

Ich habe den Notfallknopf der Seele gedrückt, und heraus kam der Wortschatz aus meiner Grundschulzeit. Als Beschreibung der Absurdität funktioniert das ziemlich gut.

Zu Schimpfwörtern gibt es tatsächlich Experimente. In einer Studie aus dem Jahr 2020 hielten Versuchspersonen eine Hand in kaltes Wasser. Beim Wiederholen eines gebräuchlichen Schimpfworts war die Schmerztoleranz höher; neu erfundene, schimpfwortähnliche Wörter hatten nicht denselben Effekt. Die Untersuchung zeigt also gerade nicht, dass jeder lustige oder ungewöhnliche Klang gleich wirkt. Experiment zu Schimpfwörtern und Schmerztoleranz

Daraus lässt sich nicht schließen, dass das Brüllen von Tabuwörtern im Auto Stress abbaut, nichts mit sexuellem Verlangen zu tun hat oder durch einen gesicherten Enthemmungsmechanismus zustande kommt. Schmerzen in einer Kaltwasseraufgabe auszuhalten ist etwas anderes, als vor der Heimkehr ein bisschen Unsinn zu machen.

Es ist oft hilfreicher, beim eigenen Erleben zu bleiben: Finde ich das gerade komisch? Bin ich aufgeregt? Oder ärgere ich mich? Diese Fragen brauchen keine wissenschaftlich klingende Antwort, die die Forschung gar nicht hergibt.

Und sobald das Wort einer anderen Person gilt, ist es nicht mehr bloß eine private Lautspielerei. Dann wird daraus eine Mitteilung an jemanden, mit einer anderen Bedeutung und möglichen Folgen für das Miteinander.

Stimming bietet eine Perspektive, aber keine Diagnose für Geräusche im Auto

Wiederholte Laute können an „Stimming“ erinnern. Der Begriff bezeichnet wiederkehrende Bewegungen oder Geräusche; im Zusammenhang damit wird unter anderem beschrieben, wie Menschen Empfindungen und Gefühle regulieren.

Kapp und Kollegen befragten 32 autistische Erwachsene in Interviews und Gruppengesprächen. Die Teilnehmenden schilderten Stimming als Teil ihrer Selbstregulation. Die Studie ist wichtig, weil sie die Sicht und die Erfahrungen der Menschen selbst ernst nimmt. Studie zu den Erfahrungen autistischer Erwachsener mit Stimming

Diese Ergebnisse lassen sich aber nicht zur allgemeinen Erklärung für alle Menschen machen, die im Auto vor sich hin reden. Aus einem Laut allein folgt weder, dass jemand autistisch ist, noch irgendeine andere Diagnose.

Summen, einen Stift drehen, mit dem Bein wippen, dasselbe Wort wiederholen: Statt nur zu fragen, ob etwas von außen ungewöhnlich aussieht, kann man darauf achten, wie die Person es erlebt und ob sie damit Schwierigkeiten hat. Diese Haltung ist auch dann nützlich, wenn keine diagnostische Zuordnung möglich oder nötig ist.

„Beinwippen, nur mit den Stimmbändern“ bleibt ein treffendes, etwas albernes Bild für manche Geräusche im Auto. Es beweist nicht, dass beide Handlungen auf demselben Mechanismus beruhen. Man kann damit ein ähnliches Gefühl beschreiben, ohne daraus ein medizinisches Etikett zu machen.

Bei starker Wut lieber zur Ruhe kommen, statt noch lauter zu werden

Mit der Stimme zu spielen und Wut zu verringern sind zwei unterschiedliche Themen. Gerade an einem Tag, an dem man sich über jemanden aufregt, lohnt es sich, sie auseinanderzuhalten.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 fand, dass Aktivitäten, die das Erregungsniveau senken, Wut verringern konnten. Für Aktivitäten, die das Erregungsniveau erhöhen, zeigte sich insgesamt kein entsprechender Nutzen. Die Vorstellung „Je mehr ich mich hochfahre, desto besser werde ich die Wut los“ wird dadurch nicht gestützt. Metaanalyse zu Wut und Erregungsniveau

Auch diese Analyse hat nicht speziell einen kurzen Katzenlaut im Auto untersucht. Sie ist kein Urteil über jede Form von Stimmspiel und ebenso wenig eine Absage an den gesundheitlichen Nutzen von Bewegung. Sie liefert aber keinen Grund, bei starker Wut immer wieder zu schreien und sich dabei weiter aufzuregen.

Ein kleiner Unterschied kann für den nächsten Schritt wichtig sein: Musste ich über meinen Laut ein bisschen lachen? Oder spiele ich inzwischen ununterbrochen im Kopf durch, was ich der anderen Person noch hätte sagen sollen? Im zweiten Fall ist eine ruhige Pause naheliegender als das nächste, noch lautere Geräusch.

Wenn das Auto sicher geparkt ist, kann man zur angenehmen, natürlichen Atmung zurückfinden. Falls nötig, steigt man aus und macht eine Pause. Dafür braucht es kein erzwungenes langes Ausatmen und keine festgelegte Abfolge aus Schrei und Atemzug.

Vor allem muss daraus keine neue Pflicht werden. „Ich muss erst einen Laut machen, sonst kann ich nicht abschalten“ wäre ein ziemlich anstrengendes Regelwerk für eine eigentlich freiwillige Spielerei.

Wenn ausprobieren, dann nach dem Parken: kurz, leise und ohne Pflicht weiterzumachen

Auch ein kleines Solotheater im Auto braucht Grenzen. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA beschreibt Ablenkung als eine Verlagerung von Aufmerksamkeit weg vom Fahren. Dazu zählt nicht nur, wohin man blickt oder was die Hände tun. Auch gedanklich kann man nicht mehr ausreichend beim Verkehr sein. NHTSA zu Ablenkung beim Fahren

Es gibt daher keine pauschale Freigabe nach dem Muster „Ein kurzer Laut ist während der Fahrt sicher“. Wer bewusst mit seiner Stimme spielen möchte, fährt aus dem fließenden Verkehr heraus und parkt an einem sicheren, dafür erlaubten Ort. Das Warten an einer roten Ampel ersetzt das nicht.

Danach lässt sich die Sache ziemlich einfach halten:

  1. Die Umgebung beachten. In der Nähe anderer Menschen und in ruhigen Wohngebieten die Lautstärke zurücknehmen. Das Auto ist keine schalldichte Kabine.
  2. Eine bequeme Stimme in ungefähr normaler Sprechlautstärke wählen. Ein „Miau“, „Tschan, tschan“ oder etwas Summen genügt. Es muss kein Schrei werden.
  3. Aufhören, wenn man nicht weitermachen möchte. Nicht bewerten, ob genug „Dampf abgelassen“ wurde. Bei Schmerzen oder unangenehmen Empfindungen Schluss machen.
  4. Kurz wahrnehmen, wie es einem geht. „Müde“, „gelangweilt“, „endlich allein“. Wenn kein Wort passt, muss man auch keines finden.
  5. Vor dem Weiterfahren die eigene Konzentration prüfen. Bei starker Wut oder Erschöpfung nicht vorschnell wieder losfahren, wenn die Aufmerksamkeit noch nicht beim Verkehr sein kann.

Für die Stimme gelten eigene Vorsichtsmaßnahmen. Das US-Institut NIDCD rät, extreme Stimmbeanspruchung wie Schreien zu vermeiden und eine heisere oder ermüdete Stimme zu schonen. Morgen normal sprechen zu können ist wichtiger als die perfekte knurrige Cartoonstimme. NIDCD zur Pflege der Stimme

Hinter dem Vorschlag, den eigenen Zustand kurz zu benennen, steht auch Forschung zum Benennen von Gefühlen. In einer Untersuchung von Lieberman und Kollegen war die Reaktion der Amygdala geringer, wenn Versuchspersonen emotional belastende Bilder mit Gefühlswörtern bezeichneten. Das ist ein Ergebnis unter bestimmten Versuchsbedingungen, keine Garantie, dass ein „Ich bin müde“ einen selbst sofort beruhigt. Studie zum Benennen von Gefühlen

Hier reicht es, die Frage als kleinen Blick auf den eigenen Zustand zu nutzen. Sie ist keine Technik, mit der man sein Gehirn gezielt umschaltet. Falls man etwas aufnehmen oder notieren möchte, gehört auch das in die Zeit nach der Fahrt.

Wenn es sich nicht stoppen lässt oder den Alltag beeinträchtigt, darf man Hilfe suchen

Ob ein Geräusch komisch klingt und ob jemand darunter leidet, sind unterschiedliche Fragen. Wenn folgende Schwierigkeiten anhalten, kann ein Gespräch mit einer medizinischen Fachperson sinnvoller sein als der Versuch, sich allein mithilfe eines allgemeinen Artikels einzuordnen:

  • Man kann die Laute nur schwer willentlich stoppen und empfindet das als belastend.
  • Die Aufmerksamkeit beim Fahren, die Arbeit oder Gespräche mit anderen werden beeinträchtigt.
  • Schmerzen im Hals oder Heiserkeit treten auf.
  • Starke Angst, Schlafprobleme oder weitere Beschwerden kommen hinzu.
  • Nach den Lauten macht man sich immer wieder schwere Vorwürfe, die den Alltag belasten.

Bei Heiserkeit oder Halsschmerzen ist beispielsweise eine HNO-Praxis eine mögliche Anlaufstelle. Auch bei Schwierigkeiten mit den Lauten selbst oder der eigenen Stimmung hilft es, konkrete Beobachtungen zu schildern: Wann passiert es? In welcher Situation? Kann ich aufhören? Was wird dadurch schwieriger?

Das ist keine diagnostische Checkliste. Umgekehrt garantiert es auch keine Gesundheit, wenn keiner dieser Punkte zutrifft. Man darf sich beraten lassen, obwohl man noch nicht weiß, ob das eigene Anliegen „groß genug“ ist.

Genauso wenig muss man aus der bloßen Tatsache, dass jemand allein Spaß an seltsamen Lauten hat, auf dessen Persönlichkeit oder eine Erkrankung schließen.

Fazit: Das aufgetaute Ich braucht keine großartige Erklärung

Hinter dem Wunsch, allein im Auto zu schreien oder Geräusche zu machen, können Wut, Müdigkeit, Langeweile, Erleichterung oder Freude am Stimmspiel stehen. Der Laut allein verrät nicht, welcher Grund gerade zutrifft.

Wenn der sonst sorgfältig sortierte Selbstausdruck für einen Moment lockerer wird, kann man das „Auftauen“ nennen. Es ist keine wissenschaftlich bewiesene Ursache, sondern ein Bild, mit dem sich das merkwürdige Erlebnis mit etwas Humor betrachten lässt.

Noch nicht einmal Gratis-Karaoke. Eher eine kleine Solonummer für die eigene überschüssige Laune.

Ob „Miau, miau“ oder „Awa-awa“: Der Klang braucht keine große Bedeutung. Wichtiger sind Rücksicht auf andere, eine unbelastete Stimme und Aufmerksamkeit beim Fahren. Und wenn es Schwierigkeiten gibt, sollte keine hübsche Metapher sie verdecken.

Sicher parken, vielleicht mit bequemer Stimme einen kurzen Unsinn sagen und es dabei belassen. An anderen Tagen einfach still eine Pause machen. Beides darf sein.

Tschan, tschan.

Noch einen Schritt weiter: Wenn ein unangenehmes Gespräch nicht aus dem Kopf geht: eine kurze Notiz für den Abend

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