Auf der japanischen Dating-App with hat ein Profil 800 Likes. Die Zahl zeigt zunächst, dass viele Menschen Interesse signalisiert haben. Ob die Person auch dich kennenlernen möchte, zeigt sich eher an Gesprächen, konkreten Vorschlägen und daran, ob das Treffen stattfindet.
Die Zahl klingt eher nach einem Konzertpublikum als nach Dating. Trotzdem verrät sie noch nicht, ob aus einem Chat überhaupt ein Treffen wird.
Was zählt die 800-Likes-Anzeige eigentlich?
Die japanische Dating-App with erklärt, dass erhaltene Likes regelmäßig gelöscht werden. So sollen langjährige Mitglieder nicht allein wegen alter Likes einen dauerhaften Vorteil bekommen. Den genauen Löschabstand nennt die Hilfeseite nicht.
Die 800 stehen für erste Reaktionen, die die App gerade anzeigt. Bis zu einem Treffen folgen noch Nachrichten, Terminvorschläge und echtes Kennenlernen. Eine volle Fantribüne ist eindrucksvoll – ein freigehaltener Samstag sagt mehr.
Laut with-Hilfeseite ist ein Like zunächst eine Interessenbekundung. Ein Match entsteht erst, wenn die angeschriebene Person mit „Danke“ reagiert. Verschickbare Likes werden je nach Mitgliedschaft regelmäßig gutgeschrieben und lassen sich auch über Punkte erhalten. 800 erste Reaktionen sind also nicht mit 800 vereinbarten Dates gleichzusetzen.
with stellt außerdem klar, dass ein Konto dieselbe Person nicht mehrfach liken kann. Die 800 Likes stammen also nicht von einem einzigen Fan, der 800-mal auf den Knopf gehämmert hat. Beeindruckend ist die Zahl trotzdem – ob jemand wirklich Zeit für dich einplant, zeigt erst der weitere Kontakt.
Sind 800 Likes bei with außergewöhnlich viele?
In einem Artikel von IBJ Match Lab aus dem Jahr 2025 erklärt der Autor, dass die Zahlen aus seiner eigenen Recherche stammen: ungefähr 30–70 Likes bei Männern und 150–200 bei Frauen auf with. Da Stichprobengröße und genaue Erhebungsmethode fehlen, sind das grobe Vergleichswerte und keine offiziellen Durchschnittszahlen aller Nutzer. 800 liegt auch darüber deutlich. Viel Aufmerksamkeit sagt zunächst etwas über die Beliebtheit aus, nicht über die Ansprüche dieser Person.
800 Likes erhalten und 800 Menschen aussortieren: zwei verschiedene Dinge
Hier kann man eine Studie leicht falsch lesen. In drei Untersuchungen zum Online-Dating fanden Pronk und Denissen heraus: Wer ein Profil nach dem anderen ansah, akzeptierte spätere Kandidaten seltener. Die durchschnittliche Annahmewahrscheinlichkeit sank zwischen der ersten und der letzten Option um ungefähr 27 Prozent. Das sagt aber nicht, dass jemand, der 800 Likes bekommt, selbst 800 Personen aussortiert hat. Profile durchgehen und Likes erhalten sind zwei verschiedene Vorgänge.
Die Teilnehmenden waren 18 bis 30 Jahre alt. Bei Frauen zeigte sich der Rückgang beständiger; bei Männern unterschieden sich die Befunde zwischen den Studien. Die 27 Prozent sind also kein Gesetz für jede Person auf einer Dating-App.
Eine Befragung von 804 griechischsprachigen Personen aus dem Jahr 2024 zeigte ebenfalls beide Seiten: Mehr wahrgenommene Partneroptionen gingen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einher, Single zu sein – zugleich aber auch mit dem Gefühl, sich vor lauter Auswahl kaum entscheiden zu können. Das ist ein Zusammenhang in einer anderen Stichprobe, keine Diagnose für ein einzelnes Profil bei der japanischen App with.
Die bessere Frage: Wird aus dem Chat ein Termin?
Eine Person mit 800 Likes schlägt Kaffee am Samstagnachmittag vor und stimmt die Uhrzeit mit dir ab. Jemand mit 20 Likes antwortet auf jede Einladung nur „Irgendwann mal“. Was sagt mehr über das Interesse an dir aus?
Ein verschobenes Treffen kann schlicht am Alltag liegen. Spannender ist die nächste Nachricht: Kommt ein Ersatztermin, fragt die Person nach deinem Kalender und beteiligt sie sich an der Planung?
So prüfst du das Verhalten, das dich betrifft, statt aus einer Profilzahl auf die ganze Persönlichkeit zu schließen.
800 Likes zeigen, wie voll die Fantribüne ist. Ob jemand Zeit für dich hat, zeigt der gemeinsame Termin. Über die Zahl kann man lachen; der Kaffee zu zweit erzählt die interessantere Geschichte.


