Wann ist eine Aufgabe erledigt? Das sollte zu Hause und im Job vorher klar sein

„Kannst du bitte abräumen?

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Kurz gesagt

„Kannst du bitte abräumen?“

Die andere Person bringt das Geschirr vom Tisch in die Küche. Gemeint war aber auch: die Spülmaschine einräumen, Reiniger dazugeben und das Programm starten.

„Ich wollte, dass du das alles machst.“ „Warum verstehst du das nicht von selbst?“ „Am Ende bleibt es doch wieder an mir hängen.“

So kann ein Missverständnis aussehen. Die Gespräche über Haushalt und Arbeit in diesem Artikel sind erfundene Beispiele, mit denen sich das Problem genauer betrachten lässt.

Die erste Frage lautet: War beiden klar, wann die Aufgabe als erledigt gilt?

Wird ein Wunsch gerade zum ersten Mal ausgesprochen? Wird eine frühere Absprache zur Aufgabenverteilung nicht eingehalten? Oder bleiben die tägliche Organisation und die letzten Handgriffe immer an einer Person hängen? Hinter „Die andere Person macht es nicht“ können unterschiedliche Probleme stecken, die unterschiedliche Gespräche brauchen.

Wer nachträglich einen nie besprochenen Maßstab anlegt und daraus gleich ein Urteil über den Charakter des anderen ableitet, erschwert auf Dauer die Zusammenarbeit.

Haushalt und Beruf sollten kein Ratespiel werden, bei dem man die geheime Bewertungsskala im Kopf des anderen erraten muss.

1. Was genau heißt „Die andere Person macht es nicht“?

Mindestens zwei Fälle lassen sich unterscheiden.

Im ersten Fall werden übernommene Aufgaben oder bereits gemeinsam festgelegte Anforderungen nicht eingehalten.

  • Der Müll wird am vereinbarten Tag nicht rausgebracht
  • Jemand ist für die Wäsche zuständig, lässt sie aber liegen, statt sie aufzuhängen
  • Eine Unterlage wird abgegeben, ohne die vereinbarten Punkte zu prüfen

Hier geht es darum, das Vereinbarte mit dem tatsächlich Erledigten abzugleichen. „Das hätte man mir genauer sagen müssen“ darf nicht jedes Mal reichen, denn sonst landet die Verantwortung wieder bei der Person, die alles erklären muss. Wenn veränderte Umstände die Aufgabe erschweren, müssen möglicherweise auch Zuständigkeiten oder Fristen angepasst werden.

Im zweiten Fall wurde die Aufgabe erledigt, reicht aber nach einem Maßstab nicht aus, den vorher niemand mitgeteilt hat.

  • Die Wäsche hängt so, dass sie trocknen kann, aber nicht in der von der anderen Person bevorzugten Reihenfolge
  • Die Unterlage enthält alle benötigten Zahlen, doch nun wird zusätzlich eine nie verlangte Vergleichstabelle erwartet
  • Nach Abschluss der vereinbarten Arbeit heißt es: „Das macht man doch normalerweise gleich mit“

Dann sollte das Gespräch damit beginnen, die Erwartungen abzustimmen.

In der Praxis können beide Fälle zusammenkommen. Man kann anerkennen, dass der Tisch abgeräumt ist, und zugleich darauf hinweisen, dass der vereinbarte Start der Spülmaschine noch fehlt. Trennt man Erledigtes und Offenes, wird das Gespräch konkreter.

Wer alles zu „Du hast nichts gemacht“ zusammenzieht, lässt die geleistete Arbeit verschwinden. Umgekehrt blendet „Ich habe doch etwas gemacht, das reicht“ die Belastung der Person aus, die jedes Mal den Rest übernimmt.

2. Wenn das Ziel wandert, ist der nächste Schritt unklar

Im Haushalt wie im Beruf fällt es leichter, eine Aufgabe anzugehen, wenn Folgendes klar ist:

  • Was getan werden soll und wozu
  • Wann die Aufgabe als erledigt gilt
  • Bis wann sie gebraucht wird
  • Was unbedingt eingehalten werden muss und was bei genügend Zeit noch verbessert werden kann
  • Wie man es anspricht, wenn man die Aufgabe nicht mehr wie vereinbart übernehmen kann

„Mach es ordentlich“ beantwortet diese Fragen nicht.

Der Maßstab ist anfangs unbekannt, aber am Ende fällt das Ergebnis durch. Wer nach dem Grund fragt, bekommt Ärger; eine Rückfrage wird als schlechte Haltung ausgelegt. Wiederholt sich das, könnten manche denken: „Egal, was ich mache, es reicht sowieso nie“, und davor zurückschrecken, sich einzubringen.

Dann mit „Siehst du, du machst ja doch nichts“ zu reagieren, vertieft das Missverständnis.

Auch die britische Arbeitsschutzbehörde HSE empfiehlt in ihren Leitlinien zu Rollen und arbeitsbedingtem Stress, Anforderungen, Rollen und Verantwortlichkeiten zu klären und Möglichkeiten vorzusehen, Unklarheiten oder widersprüchliche Erwartungen anzusprechen. Das sind allgemeine Empfehlungen für Arbeitsplätze im Vereinigten Königreich. Sie sind weder eine Studie, die eine Wirkung im Haushalt belegt, noch ein rechtlicher Maßstab für Japan oder Deutschland. Dieser Artikel greift den Gedanken auf und schlägt Möglichkeiten vor, Erwartungen im Haushalt und bei der Arbeit abzustimmen.

Dafür braucht nicht jeder Handgriff eine ausführliche Anleitung. Ein Anfang ist, bei den Aufgaben, über die es immer wieder Streit gibt, gemeinsam festzulegen: Bis hierhin gehört es dazu.

3. Wer Rückfragen zulässt, erkennt Missverständnisse leichter

„Was muss erledigt sein, damit die Aufgabe abgeschlossen ist?“ „Welches Problem soll diese Prüfung verhindern?“ „Was hat Vorrang: diese neue Aufgabe oder das, woran ich gerade arbeite?“

Solche Fragen können helfen, die Arbeit voranzubringen.

Wer darauf jedes Mal mit „So eine Einstellung geht gar nicht“ oder „Das weiß man doch“ antwortet, erschwert auch notwendige Rückfragen. Der anderen Person bleibt dann nur, schweigend zu folgen oder zu raten und möglicherweise danebenzuliegen.

Natürlich kommt es auch auf den Ton und den Zeitpunkt an. Bei akuter Gefahr kann es nötig sein, zuerst für Sicherheit zu sorgen und die Einzelheiten später in Ruhe zu klären. Bereits besprochene Hygiene- und Sicherheitsabläufe jedes Mal von Grund auf erklären zu müssen, ist ebenfalls eine Belastung.

Statt bei „Das wusste ich nicht“ stehen zu bleiben, kann man selbst nachsehen, was schon vereinbart wurde, und gezielt nachfragen, was noch unklar ist. Wer antwortet, sollte seinerseits zwischen einer neu genannten Bedingung und einer schon länger geltenden Absprache unterscheiden.

Beide tragen dazu bei, dass die Aufgabe vorankommt: die Person, die nachfragt, und die Person, die erklärt.

4. Das Recht zu fragen darf nicht einseitig sein

Man selbst fragt die andere Person:

„Warum?“ „Wozu soll das gut sein?“ „Was bedeutet das?“

Stellt die andere Person dieselben Fragen, reagiert man verärgert:

„Warum fragst du so etwas?“ „Mach einfach, was ich sage.“

Dann muss nur eine Seite Erklärungen liefern, während die andere davon befreit ist. Das Recht zu fragen wird zum einseitigen Privileg.

Unterschiedliche Rollen und Verantwortlichkeiten können unterschiedliche Entscheidungsspielräume mit sich bringen. Trotzdem ist es wichtig, dass die andere Person nach dem Zweck und der Priorität einer Aufgabe fragen kann.

Zu Hause wie im Job sollten beide Seiten Unklarheiten ansprechen, notwendige Gründe erklären und über Änderungen reden können, wenn eine frühere Vereinbarung nicht mehr zur Wirklichkeit passt.

Dieser Austausch hilft dabei, unterschiedliche Vorstellungen wieder zusammenzubringen.

5. Gefühle geben Hinweise, sie sprechen kein Urteil

„Das ärgert mich.“ „Das macht mir Sorgen.“ „Das will ich nicht.“ „Das stört mich.“ „Ich bin erschöpft.“ „Immer bleibt alles an mir hängen.“

Das sind wichtige Hinweise.

Hinter Müdigkeit und Unzufriedenheit kann eine längere Geschichte stecken: Vielleicht hat eine Person immer wieder das Planen, Nachhalten und Abschließen von Aufgaben übernommen. Das sollte man nicht als bloße Gefühlssache abtun. Es lohnt sich hinzusehen, was sich angesammelt hat.

Von dort aus lässt sich benennen, was nötig ist, ohne direkt vom Gefühl zum Urteil über den Charakter des anderen zu springen.

  • Welche Aufgabe oder Situation belastet?
  • Was muss eingehalten werden, etwa bei Hygiene, Sicherheit oder Fristen?
  • Was ist eine persönliche Vorliebe oder ein Wunsch an das Ergebnis?
  • Wer soll welche Aufgabe bis zu welchem Punkt übernehmen?
  • Liegen Planung und Kontrolle bei der bisherigen Verteilung überwiegend bei einer Person?

Auf „Am Ende bleibt doch wieder alles an mir hängen“ könnte zum Beispiel folgen:

„Dass du den Tisch abräumst, hilft mir. Aber die Spülmaschine starten, das saubere Geschirr wegräumen und den Reiniger nachfüllen bleiben jedes Mal bei mir, und das belastet mich. Ich möchte mit dir festlegen, wie wir das gesamte Aufräumen aufteilen.“

Wer aus einem Gefühl einen konkreten Wunsch macht, erleichtert es der anderen Person, über eine Veränderung nachzudenken. Eine perfekte Erklärung muss man auch dann nicht verlangen, wenn jemand erschöpft ist. Man kann ebenso vereinbaren, erst eine Pause zu machen und später zu sprechen.

Auch bei Vorlieben sollte „Wen es stört, der macht es eben“ nicht zur unveränderlichen Regel werden. Wünsche und Belastung gehören gemeinsam auf den Tisch, damit ein angenehmes Zusammenleben nicht die alleinige Aufgabe einer Person wird.

6. Zusätzliche Aufgaben brauchen neue Absprachen zu Verteilung und Prioritäten

Für das Aufräumen nach dem Essen könnte eine Vereinbarung so aussehen:

„Nach dem Essen gehört dazu, die Spülmaschine einzuräumen, Reiniger dazuzugeben und das Programm zu starten. Das saubere Geschirr räumt die Person weg, die am nächsten Morgen dran ist.“

Es geht nicht darum, dass jemand jedes Mal alle Schritte einzeln vorgibt. Die Aufgaben sollten so verteilt sein, dass die zuständige Person vom Anfang bis zu den letzten Handgriffen selbst den Überblick behalten kann.

Wer die Spülmaschine übernimmt, kann zunächst gemeinsam mit der anderen Person klären, wie sie eingeräumt wird und welches Geschirr nicht hinein darf. Auch zu merken, dass der Reiniger knapp wird, den Vorrat aufzufüllen und das Geschirr bis zum nächsten Morgen wieder wegzuräumen, gehört zu den Aufgaben, die verteilt werden müssen. Man sollte nicht voraussetzen, dass irgendjemand die Lücken schon bemerkt und schließt. Nach der Absprache schaut die zuständige Person selbst nach, was ansteht.

Bei einer Arbeitsunterlage könnte der Auftrag lauten:

„Für die Besprechung am Freitag brauche ich bis Donnerstagnachmittag eine Seite mit den Umsätzen der letzten drei Monate und den Gründen für die Veränderungen gegenüber dem jeweiligen Vormonat. Zahlen und Quellen müssen geprüft sein. Feinarbeit an den Grafiken ist nur nötig, wenn noch Zeit dafür ist.“

Wird zwischendurch ein Wettbewerbsvergleich nötig, sollte auch klar sein, dass er zusätzlich hinzukommt.

„Wir brauchen jetzt auch einen Vergleich mit anderen Unternehmen. Wenn das einen halben Tag zusätzlich kostet, entscheiden wir, ob die andere Auswertung auf nächste Woche rückt oder die Unterlage erst Freitagmorgen fertig sein muss.“

Eine zusätzliche Anforderung wird nicht nachträglich zu etwas, das angeblich von Anfang an selbstverständlich war. Wächst der Arbeitsumfang, müssen auch Zeit, Zuständigkeiten und Prioritäten überprüft werden.

Zu Hause gilt dasselbe. „Wir bekommen heute Besuch, deshalb möchte ich gründlicher putzen als sonst“ heißt auch: benennen, was zusätzlich anfällt, und gemeinsam überlegen, wie es neben Kochen und Einkaufen verteilt wird.

Vereinbarte Maßstäbe dürfen sich ändern, wenn sich Alltag oder Arbeit verändern. Wird eine neue Gefahr bekannt, hat Sicherheit Vorrang. Anschließend werden geänderte Abläufe und Zuständigkeiten besprochen und neu vereinbart. Das ist dann eine neue Absprache und kein Anlass, die bis gestern erledigte Arbeit rückwirkend durchfallen zu lassen.

7. Gemeinsame Aufgaben brauchen keinen Schuldspruch aus Ärger

Bevor man sagt „Die andere Person macht es nicht“, lohnt es sich, Folgendes zu prüfen:

  • War beiden klar, wann die Aufgabe als erledigt gilt?
  • Wird eine frühere Absprache nicht eingehalten, oder handelt es sich um einen neuen Wunsch?
  • Werden notwendige Sicherheits- und Qualitätsanforderungen von persönlichen Vorlieben unterschieden?
  • Wird sowohl das Erledigte als auch das noch Offene gesehen?
  • Sind Planung, Kontrolle und die letzten Handgriffe fair verteilt?
  • Sind Zeit und Priorität für zusätzliche Aufgaben geklärt?
  • Dürfen beide Seiten Fragen stellen?

Diese Fragen sollen helfen, wieder besser miteinander auszukommen. Gibt es jedoch Beschimpfungen oder Einschüchterung und würde ein Gespräch die Gefahr vergrößern, darf Sicherheit wichtiger sein als das Fortsetzen der Diskussion. Dann kann Unterstützung durch eine Vertrauensperson, die sich gefahrlos kontaktieren lässt, oder eine passende Beratungsstelle für die familiäre oder berufliche Situation hilfreich sein.

Im gemeinsamen Haushalt wie bei gemeinsamer Arbeit wird der Berg unerledigter Aufgaben nicht kleiner, nur weil man den anderen schuldig spricht.

Legt gemeinsam fest, wann eine Aufgabe erledigt ist, und besprecht zusätzliche Arbeit als zusätzliche Arbeit. Das macht den nächsten Schritt leichter, als aus Ärger einen Prozess gegeneinander zu führen.

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