Manchmal ist der Supermarkt um die Ecke wertvoller als das berühmte Restaurant

Immobilienanzeigen werben gern mit bekannten Restaurants, beliebten Cafés und angesagten Orten in der Nähe.

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Manchmal ist der Supermarkt um die Ecke wertvoller als das berühmte Restaurant
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Wohnqualität hängt oft stärker von Nutzungshäufigkeit als von Prestige ab

Immobilienanzeigen werben gern mit bekannten Restaurants, beliebten Cafés und angesagten Orten in der Nähe.

Klingt natürlich gut.

Nach dem Einzug schiebt sich aber oft ein viel unspektakulärerer Ort auf Platz eins:

der Supermarkt.

Ein bekanntes Restaurant besucht man vielleicht einmal im Monat. Der Supermarkt löst dagegen mehrmals pro Woche Probleme: Abendessen, Getränke, vergessene Einkäufe, ein Snack oder einfach ein Anlass, noch einmal rauszugehen.

1. Der Wert von Nähe hängt von der Nutzungshäufigkeit ab

Eine einfache Denkformel lautet:

Alltagswert ≈ Nutzungshäufigkeit × vermiedener Aufwand pro Nutzung

Fünf Minuten einmal im Monat zu sparen ist angenehm. Fünf Minuten mehrmals pro Woche zu sparen verändert den Alltag.

Das berühmte Lokal sieht im Exposé gut aus. Der Supermarkt rettet den gewöhnlichen Dienstagabend.

2. Ein naher Supermarkt wird zur externen Speisekammer

Wenn der Laden wirklich nah ist, muss man nicht alles auf Vorrat kaufen.

Etwas vergessen? Schnell nachholen. Noch keine Idee fürs Abendessen? Später entscheiden. Der Kühlschrank ist halb leer? Kein Drama.

Auch wenn der Kühlschrank halb leer ist, lässt sich Fehlendes leicht besorgen. Man muss nicht alles zu Hause lagern. Schon diese Gelassenheit macht einen nahen Supermarkt wertvoll.

3. Die Rabatt-Ecke wird zur kleinen Schatzsuche

„Was ist heute reduziert?“ „Das sieht gut aus.“ „Gut, Abendessen entschieden.“

Aus einer Routineaufgabe wird eine kleine Entdeckungstour.

Reduzierte Fertiggerichte, Obst oder eine gebackene Süßkartoffel können ein überraschend befriedigendes kleines Erfolgserlebnis sein.

Aber: Etwas Unnötiges zu kaufen, nur weil es billiger ist, ist kein Sparen.

Die sinnvolle Reihenfolge lautet:

Ich brauche es sowieso, und heute ist es günstiger.

4. Zusammen mit einem Spaziergang wird der Supermarkt zur Versorgungsstation

„Ich muss Sport machen“ klingt schnell nach Pflichtprogramm.

„Ich schaue kurz im Laden vorbei, hole einen kleinen Snack und laufe danach in eine unbekannte Straße“ hat deutlich weniger Einstiegshürden.

Etwas Kleines kaufen. Weiterlaufen. Dort abbiegen, wo es interessant aussieht. Ein großes Ziel braucht es nicht.

Der Supermarkt wird zum Startpunkt und zur Versorgungsstation für spontane Spaziergänge.

Eine Studie fand, dass Nähe und Vielfalt von Zielen im Wohnumfeld mit mehr zu Fuß zurückgelegten Alltagswegen zusammenhingen.[1] Das beweist nicht, dass ein naher Supermarkt automatisch gesund macht. Es zeigt aber, wie nützliche Ziele das Gehen leichter in den Alltag integrieren können.

5. „Gut zu Fuß“ bedeutet trotzdem nicht automatisch „glücklicher“

Die Forschung liefert kein so einfaches Ergebnis.

Eine österreichische Studie fand, dass Menschen in gut zu Fuß erreichbaren Wohngebieten mit den örtlichen Einrichtungen und Angeboten zufriedener waren. Bei einigen Bewertungen des Wohnumfelds insgesamt fiel die Zufriedenheit dagegen niedriger aus [2].

Eine andere Studie beobachtete eine bessere Einschätzung der eigenen Gesundheit und einen niedrigeren BMI in solchen Gebieten, aber nicht unbedingt eine höhere Zufriedenheit mit dem Leben [3].

Lärm, Sicherheit, Verkehr, Wohnungsgröße, Preise, Umgebung und persönliche Vorlieben bleiben wichtig.

Die robustere Regel lautet daher:

Orte, die du oft nutzt, sollten leicht zu erreichen sein.

6. Wohnlagen nach tatsächlicher Nutzung bewerten

Täglich oder mehrmals pro Woche: Supermarkt, Apotheke, kleiner Laden, Spazierwege, Alltagsverkehr.

Einige Male pro Monat: Arzt, Bibliothek, Haushaltsladen, regelmäßig besuchte Restaurants, größeres Einkaufszentrum.

Gelegentlich: bekannte Restaurants, Sehenswürdigkeiten, große Freizeiteinrichtungen.

Gelegentliche Ziele dürfen weiter entfernt sein.

Häufige Ziele verlangen bei schlechter Erreichbarkeit jedes Mal eine kleine „Nervgebühr“.

Nach „Was ist in der Nähe?“ lohnt sich deshalb die zweite Frage:

„Wie oft im Jahr werde ich das wirklich benutzen?“

Fazit: Wohnqualität kann aus vielen wiederholten Kleinigkeiten entstehen

Die meisten Tage sind keine besonderen Ereignisse.

Ein Getränk ist leer. Man will nicht über das Abendessen nachdenken. Man möchte laufen. Man hat Lust auf etwas Warmes und Süßes. Man will einfach kurz raus.

Wenn die Antwort immer wieder lautet „ist doch gleich da, ich gehe kurz“, wird der Alltag spürbar leichter.

Der Supermarkt wird vielleicht nie die berühmteste Attraktion im Viertel.

Aber wenn er kleine Probleme beseitigt, einen Anlass zum Spazieren schafft und gelegentlich noch eine reduzierte gebackene Süßkartoffel liefert, ist er im Alltag ziemlich schwer zu schlagen.

Quellen (3)

  1. McCormack, G. R. et al. (2007). The relationship between destination proximity, destination mix and physical activity behaviors. Preventive Medicine pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Grasser, G. et al. (2016). Are residents of high-walkable areas satisfied with their neighbourhood? Journal of Public Health pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Rogers, S. H. et al. (2016). Are People Living in Walkable Areas Healthier and More Satisfied with Life? Applied Psychology: Health and Well-Being pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

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